12 freie Stellen
Jetzt bewerben!

Interview mit der leitenden Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Doris Bandermann und der neuen Koordinatorin Anja Buchholz

Tom Hettinger: Vielen Dank, dass wir hier zusammensitzen können! Vielleicht beginnen wir damit, dass Sie uns erklären, was der Ambulante Hospizdienst der Sozialstiftung Köpenick genau macht.

Doris Bandermann: Der ambulante Hospizdienst besteht in der Stiftung seit über zwanzig Jahren. Wir begleiten schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Unsere Ehrenamtlichen besuchen die Betroffenen, schenken Zeit, hören zu und helfen dabei, die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Häufig unterstützen sie auch die Angehörigen, damit diese zwischendurch einmal durchatmen oder eine kleine Pause einlegen können. Unsere Aufgabe als Koordinatorinnen ist es, die Einsätze zu organisieren, die Ehrenamtlichen zu begleiten und ihre Ausbildung zu koordinieren.

Tom Hettinger: Das heißt, es gibt eine Ausbildung für die Ehrenamtlichen?

Anja Buchholz: Ja, genau. In dem Kurs geht es nicht nur um fachliches Wissen, sondern auch um die eigene Haltung. Die Teilnehmenden beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie sie selbst zum Thema Tod und Sterben stehen und was sie sich für ihr eigenes Lebensende wünschen. Durch diese Reflexion lernen sie, andere Menschen besser zu verstehen. Gleichzeitig geben wir ihnen viele Informationen und praktische Hinweise mit auf den Weg, damit sie wissen, was sie in verschiedenen Situationen erwartet und wie sie damit umgehen können.

Tom Hettinger: Wenn die Ehrenamtlichen später im Einsatz sind, wie werden sie dann begleitet?

Doris Bandermann: Wir sind für unsere Ehrenamtlichen jederzeit erreichbar. Wir haben Diensthandys, sind per E-Mail oder auch über Messenger erreichbar und stehen bei Fragen oder schwierigen Situationen zur Verfügung. Außerdem ist uns wichtig, dass sich die Ehrenamtlichen bei uns gut aufgehoben fühlen. Sie leisten sehr viel und deshalb versuchen wir, ihnen auf andere Weise Wertschätzung zu zeigen.

Anja Buchholz: Wir organisieren über das ganze Jahr hinweg verschiedene Treffen und Veranstaltungen. Darüber hinaus bieten wir einmal im Monat Themenabende an. Das sind kleine Fortbildungen, bei denen sich die Ehrenamtlichen weiterbilden können. Einmal im Jahr machen wir gemeinsam eine Exkursion und natürlich eine Weihnachtsfeier. Wichtig sind auch unsere Supervisionstreffen. Dort können sich die Ehrenamtlichen austauschen, über ihre Erfahrungen sprechen oder einfach zuhören.

Tom Hettinger: Sie haben die Ehrenamtlichen schon erwähnt. Wie viele engagieren sich aktuell bei Ihnen und was motiviert Menschen, sich in der Hospizarbeit zu engagieren?

Doris Bandermann: Im letzten Jahr hatten wir 116 aktive Ehrenamtliche. Das bedeutet, dass sie mindestens eine Begleitung übernommen haben. Viele Menschen suchen nach einer sinnvollen Aufgabe, besonders wenn sie bereits im Ruhestand sind. Sie möchten etwas tun, das Bedeutung hat und bei dem sie das Gefühl haben, wirklich gebraucht zu werden.

Anja Buchholz: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gemeinschaft. Durch den Kurs und die gemeinsamen Veranstaltungen entstehen Kontakte und manchmal auch Freundschaften. Die Beweggründe sind sehr unterschiedlich. Manche Menschen haben selbst Angehörige begleitet und möchten ihre Erfahrungen weitergeben. Andere kommen aus beruflichen Zusammenhängen darauf. Es gibt auch Menschen, die viel im Büro arbeiten und feststellen, dass ihnen der zwischenmenschliche Kontakt fehlt. Sie möchten wieder mehr Begegnungen mit anderen Menschen erleben und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun.

Tom Hettinger: Viele Menschen haben Berührungsängste, wenn es um das Thema Tod und Sterben geht. Wie erleben Sie das in Ihrer Arbeit?

Doris Bandermann: Natürlich begegnen uns solche Berührungsängste immer wieder. Deshalb ist es uns wichtig, das Thema auch nach außen zu tragen und darüber zu sprechen. Ich bin zum Beispiel Letzte-Hilfe-Kursleiterin. In diesen Kursen können Menschen lernen, wie sie Angehörige oder Freunde am Lebensende begleiten können. Viele Ängste entstehen aus Unsicherheit. Wenn man darüber spricht und erklärt, welche Möglichkeiten es gibt, können viele dieser Ängste schon abgebaut werden.

Anja Buchholz: Tod und Sterben gehören zum Leben dazu, auch wenn wir das in unserer Gesellschaft oft ausblenden. In meiner früheren Arbeit im Krankenhaus war das ein ganz normaler Teil des Alltags. Wenn man offen darüber spricht, merken viele Menschen, dass sie sich mit ihren Gedanken und Sorgen nicht alleine fühlen. Oft geht es um Fragen wie Schmerzen oder die Angst vor dem Ersticken. Wenn man erklären kann, welche Möglichkeiten es gibt, um solche Situationen zu lindern, nehmen diese Erklärungen vielen Menschen schon ein Stück ihrer Sorge.

Tom Hettinger: Frau Buchholz, Sie sind neu als Koordinatorin dazugekommen. Was hat Sie dazu bewegt, diesen Weg einzuschlagen?

Anja Buchholz: Ich habe 26 Jahre im Krankenhaus gearbeitet, die meiste Zeit auf einer Intensivstation. Dort begegnet einem das Thema Tod sehr häufig, weil die Menschen dort sehr schwer krank sind oder große Operationen hinter sich haben. Irgendwann habe ich mich gefragt, wie man diese letzte Lebensphase würdevoller gestalten kann. Zusammen mit einer Kollegin habe ich damals ein Projekt zur Sterbebegleitung auf unserer Intensivstation aufgebaut. Dabei ging es darum, den Menschen trotz aller medizinischen Geräte und Abläufe einen respektvollen Abschied zu ermöglichen und auch die Angehörigen einzubeziehen. Über diesen Weg habe ich mich immer intensiver mit der Hospizarbeit beschäftigt und schließlich den Schritt hierher zur Sozialstiftung Köpenick gemacht.

Tom Hettinger: Was bedeutet diese Begleitung eigentlich für die Menschen, die sie begleiten, und für ihre Angehörigen?

Doris Bandermann: Unsere Ehrenamtlichen kommen als Außenstehende in eine Situation hinein, die für die Familien oft sehr belastend ist. Gerade deshalb fällt es vielen Menschen leichter, sich zu öffnen. Sie sprechen manchmal Dinge aus, die sie ihren Angehörigen nicht sagen möchten. Das können Sorgen, Ängste oder auch unerledigte Themen aus ihrem Leben sein. Manchmal möchten Menschen am Ende ihres Lebens noch etwas klären oder jemanden wiedersehen. Häufig reicht es schon, wenn jemand einfach zuhört.

Anja Buchholz: Die Ehrenamtlichen haben keinen klassischen Auftrag. Sie müssen niemanden pflegen oder versorgen. Sie schenken ihre Zeit. Das kann ein Gespräch sein, gemeinsames Schweigen oder einfach das Gefühl, dass jemand da ist. Diese Zeit ist für viele Menschen sehr wertvoll.

Tom Hettinger: Was bedeutet diese Begleitung eigentlich für die Menschen, die sie begleiten, und für ihre Angehörigen?

Doris Bandermann: Offenheit, Einfühlungsvermögen und Freude am Umgang mit Menschen sind sehr wichtig. Ohne eine gewisse Nähe zu den Menschen funktioniert diese Arbeit nicht.

Anja Buchholz: Außerdem braucht es Verlässlichkeit. Es wäre schön, wenn die Ehrenamtlichen einmal pro Woche Zeit für eine Begleitung haben. Innerhalb einer Woche kann sich bei schwerkranken Menschen viel verändern. Deshalb ist diese Regelmäßigkeit wichtig.

Doris Bandermann: Interessierte können sich jederzeit bei uns melden. Der Ausbildungskurs findet einmal im Jahr statt und dauert von Januar bis November. Vorher führen wir ein ausführliches Gespräch, in dem wir erklären, wie der Kurs aufgebaut ist und was danach auf die Ehrenamtlichen zukommt. Manchmal bieten wir auch die Möglichkeit, zunächst einmal in einen Besuchsdienst hineinzuschnuppern, um herauszufinden, ob diese Aufgabe wirklich zu einem passt.

Die Mitarbeiter*innen des Ambulante Hospizdienstes freuen sich immer über Menschen, die sich für die Arbeit interessieren. Das gilt sowohl für Bewohner*innen als auch für Angehörige oder Interessierte aus der Nachbarschaft. Wer mehr über die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen erfahren möchte oder sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen kann, ist jederzeit herzlich willkommen, Kontakt aufzunehmen.
Erreichbar ist der Ambulante Hospizdienst unter der Telefonnummer 030/6442-513, per E-Mail an: hospiz@sozialstiftung-koepenick.de oder persönlich im Erdgeschoss von Haus 1 in der Werlseestraße.

 

Ihre Ansprechpartner*in

 


Kontaktieren Sie uns ...

  • Meine Kontaktdaten

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.


per WhatsApp an Kontakte teilenper Telegram an Kontakte teilen